Falsche Anreize durch Social-Media

Ich hatte bereits in einem vorangegangenen Beitrag geschrieben, dass ich bis auf LinkedIn meine Social-Media Konten gelöscht habe. Interessanterweise kamen doch recht viele Rückfragen, warum ich das gemacht habe und weshalb ich LinkedIn behalten habe. Meine Gedanken zu diesem Schritt will ich im Folgenden etwas erläutern.

Warum Social-Media keinen Nutzen hat

Als Kleinunternehmer evaluiere ich in regelmäßigen Abständen den Nutzen meiner Tätigkeiten. Schließlich müssen sich diese am Ende des Tages rechnen. Mir ist dabei nicht nur der monetäre Faktor wichtig, sondern auch der zeitliche Faktor. Wenn ich nun also zusätzlich zu meiner normalen Tätigkeit Facebook und Instagram manage, kostet mich das vor allem Zeit. Die Inhalte müssen an die Plattform angepasst werden und natürlich sollte im Idealfall auch interagiert werden. Im Gegenzug sollte Social Media mir die entsprechende Präsenz liefern. Nur leider hat sich dieser Faktor in den letzten Jahren massiv verschoben. Nicht nur, dass Posts kaum mehr verbreitet werden es sei denn man bezahlt. Nein, auch mein eigener Feed von Inspirationen ist aus genau diesem Grund ausgedünnt. Ursprünglicherweise waren Facebook und Instagram für mich Inspirationsquellen und eine gute Kommunikationsmöglichkeit. Dadurch, dass gesponserte Posts und vor allem reichweitenstarke, kommerzielle User bevorzugt werden bekomme ich aber den entsprechenden Input nicht mehr geliefert. Das führt letztlich dazu, dass mir ein unkreativer Einheitsbrei gezeigt wird, welcher mich wenig bis gar nicht interessiert, für Facebook aber lukrativ ist. Es kann hier also gesagt werden, dass eine Blase mit standardisiertem Content den Bärenanteil an den Plattformen einnimmt.

Hinzu kommt der Faktor Zeit. Um Social Media effektiv zu nutzen, muss ich eben auch auf den Plattformen aktiv sein. Wenn ich aber wie oben beschrieben, nur semi-relevanten Inhalt bekomme dann ist der Nutzen eher gering. Warum soll ich also meine Lebenszeit mit dem Durchscrollen einer mittelmäßigen Plattform verbringen? In dieser Zeit kann ich wesentlich effizienter wirklichen Mehrwert erschaffen.

Willkommen in der Filterblase

Es ist mittlerweile durch mehrere Studien und Berichte bekannt, dass die in Social-Media eingesetzten Algorithmen dazu führen in eine Filterblase zu rutschen und Nutzer massiv manipulieren[1] [2] [3]. Dies spiegelte sich auch in meinen eigenen Erfahrungen wider. Kurz gesagt: Ich halte es für sehr fragwürdig, wenn mir eine Maschine sagt, was für mich relevant ist. Umgekehrt aber auch darüber entscheidet, für wen meine Inhalte relevant sind. Das untergräbt die Maßstäbe meines Unternehmens nach Transparenz, sowie meine persönlichen Maßstäbe nach Freiheit. Seitdem ich FELIXVIDEO von dieser Fessel gelöst habe, habe ich jedenfalls das Gefühl, dass meine Inhalte authentischer und ehrlicher sind. Denn sie müssen sich nicht den Regeln der Maschine unterwerfen.

Bleibt die Frage, warum ich dann doch noch auf LinkedIn vertreten bin. Im Moment habe ich hier das Gefühl, bessere Inhalte und bessere Konversationen zu bekommen. Tatsächlich scheinen bei LinkedIn andere Mechanismen im Hintergrund zu laufen[4], wodurch sich die Atmosphäre ganz stark von der auf Facebooks Plattformen unterscheidet. Das bedeutet aber nicht, dass sich dies nicht ändern kann. Wie ich geschrieben habe, evaluiere ich die Situation regelmäßig. Es kommt halt darauf an, wie sich Netzwerke entwickeln und welchen Fokus die Algorithmen einschlagen.

Einige Ideen und Anregungen für diesen kleinen Rant stammen aus Jaron Laniers Buch Zehn Gründe, warum Du Deine Social Media Accounts sofort löschen musst.* Mir hat das Buch sehr gefallen. Hervorzuheben ist, dass Lanier seine Argumente mit Fakten hinterlegt, welche in einem umfangreichen Anmerkungsverzeichnis aufgelistet sind.

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[1]https://www.axios.com/sean-parker-unloads-on-facebook-god-only-knows-what-its-doing-to-our-childrens-brains-1513306792-f855e7b4-4e99-4d60-8d51-2775559c2671.html

[2] https://gizmodo.com/former-facebook-exec-you-don-t-realize-it-but-you-are-1821181133

[3] https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2017/09/has-the-smartphone-destroyed-a-generation/534198/

[4] https://www.vox.com/2016/12/29/14100064/linkedin-daniel-roth-fake-news-facebook-recode-podcast

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