Als Kreativschaffende sind wir ständig mit der Herausforderung konfrontiert, vage Ideen in Ergebnisse zu verwandeln. Oft blockieren wir uns dabei selbst. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du deinen eigenen Perfektionismus überwinden und Kreativität neu entfachen kannst, indem du Arbeit als Prozess der Annäherung begreifst, statt einem unerreichbaren Ideal nachzujagen.
Eine solche Situation hatte ich erst kürzlich bei meinem letzten Auftrag. Es sollte ein „cinematischer“ Stil werden. Und genau dieser Begriff „cinematisch“ ist das Problem. Was versteht man darunter genau? Ist meine Vorstellung dieselbe wie die des Kunden? Geht es um einen Orange/Teal-Filter? Oder doch um ein bisschen Grain und einen entsättigten Look?
Warum Perfektionismus deine Projekte bremst:
- Vermeidungsverhalten: Aus Angst vor Fehlern fangen wir gar nicht erst an.
- Verlust des Spieltriebs: Der Fokus auf das fertige Produkt killt den experimentellen Dialog.
- Wirtschaftliche Ineffizienz: Die letzten 5 % Perfektion fressen oft 50 % der Zeit.
Unpräzise Anforderungen: Die wahre Herausforderung kreativer Arbeit
Vielleicht klingt das jetzt nach einem massiven Problem – Geschmäcker sind eben verschieden. Doch als Kreativschaffende sollten wir solche diffusen Anforderungen als Herausforderung und als den eigentlichen Kern unserer Arbeit begreifen. Schließlich ist es unser Auftrag, etwas zu erschaffen und die Welt ein Stück bunter zu machen. Gleichzeitig bietet genau das eine fantastische Möglichkeit zum Experimentieren und um verschiedene Stile auszuprobieren.
Auf der wirtschaftlichen Seite ist es dabei natürlich wichtig, diesen kreativen Annäherungsprozess einzukalkulieren. Es sollte daher nicht verwunderlich sein, warum kreative Dienstleistungen häufig nicht ganz günstig sind.
Der Dialog als Schlüssel zur kreativen Annäherung
Selbstredend ist es bei diesem Annäherungsprozess essentiell, den Kundendialog aufrechtzuerhalten und verschiedene Vorschläge zu präsentieren. Meistens sagt einem die eigene Intuition schon, wann das Ergebnis passt. Manchmal aber sind vermeintlich diffuse Anforderungen in der Vorstellung des Kunden doch etwas präziser, als es anfangs scheint. Deshalb ist der gesamte Prozess im Wesentlichen eine Art vorsichtiger Annäherung, in der wir Kreativschaffenden und unsere Kunden einen kontinuierlichen Dialog führen und voneinander lernen können. Das Unerwartete, die kleinen Abweichungen vom Plan, sind dabei nicht Störfaktoren, sondern Teil des Abenteuers. Und genau das ist das Schöne an der kreativen Arbeit: Es ist ein ständiges Entdecken, ein Ausprobieren, ein Wachsen. Die Perfektion ist dabei nie das Ziel, sondern die Reise selbst.
