Erinnerungen und ihre Filter

Kürzlich habe ich eine Dokumentation über den Fotografen Andreas Gursky gesehen. Gursky ist bekannt für seine großformatigen Fotografien oft eher alltäglicher Orte. Durch den geschickten Einsatz von Perspektive – und natürlich ein wenig Bearbeitung – verleiht er seinen Fotos eine beeindruckende Monumentalität. Besonders interessant fand ich ein Interview im Film, in dem Gursky nach dem Wesen seiner Kunst gefragt wurde. Dabei ging es auch darum, wie wichtig es ist, Orte in Fotografien einzufangen, quasi Erinnerungen zu schaffen. Gurskys Antwort war, dass seine Fotos niemals wirkliche Erinnerungen seien, sondern lediglich Interpretationen dieser Orte.

Eine kuratierte Wahrheit

Meine Filme sind ja zu einem großen Teil Ausschnitte aus dem Leben meiner Kunden (also vielleicht sogar aus deinem Leben?). Und genau hier liegt das Problem: Diese Fragmente sind eben nur Ausschnitte. Niemals können diese Filme objektive Erinnerungen an ein Ereignis sein. Natürlich versuche ich, so viel wie möglich vom Tag einzufangen. Aber selbst wenn ich eine bestimmte Szene mit der Kamera festhalte, ist dieser Ausschnitt ein Moment, den ich als beachtenswert empfunden habe. Insofern ist ein Video von deinem Event immer auch eine kuratierte Erinnerung von mir.

Ich finde diesen Gedanken gleichzeitig faszinierend und erschreckend. Er zeigt, welches Potenzial Medien zur Manipulation haben (man denke an Pressemitteilungen, die von PR-Sprechern verfasst werden). Natürlich stellt sich dann die Frage, inwieweit es überhaupt möglich ist, Erinnerungen objektiv zu konservieren, und welche ethischen Richtlinien wir dafür bräuchten. Auf der anderen Seite sind individuelle Erinnerungen ja ohneh immer subjektiv. Aber gilt das auch für Erinnerungen, die durch den Filter der Kamera aufgenommen wurden?

Der Ruf nach Authentizität: Weniger Schein, mehr Sein

Aus diesem Grund versuche ich in meiner Arbeit, diese „Filter“ so wenig wie möglich zu benutzen. Ich bemühe mich um authentische Bilder und vermeide übermäßige Verfremdung. Minimalismus spielt dabei eine wichtige Rolle für mich.